"AC 1892 Weinheim e.V. Torpedo Ladenburg"
Web: http://www.torpedo-hockey.de/
"Beim Training oder bei Turnieren, ist es so, dass ich alles um mich herum vergesse."
Sie sind die Abteilungsleiterin des E-Hockey Bundesligisten Torpedo Ladenburg des AC 1892 Weinheim e.V. und selbst aktive Spielerin. Erzählen Sie uns ein wenig über Torpedo Ladenburg und wie Sie zum Verein gekommen sind?
Gegründet wurde Torpedo Ladenburg im Jahre 1988 im Rahmen einer Hockey-AG in der Martinsschule in Ladenburg. Die AG sollte den Elektro-Rollstuhlfahrern die Möglichkeit bieten, sich sportlich betätigen zu können. Mit der Zeit nahm unsere Mannschaft an immer mehr Turnieren teil und machte sich so, in Deutschland und dem benachbarten Ausland, einen Namen. Nachdem viele Spieler die Martinsschule verlassen hatten, suchten wir einen Verein, damit wir unseren Sport weiter ausüben konnten. Nach langer Suche fanden wir im Jahr 2005 glücklicherweise den Verein Athletik Club 1892 Weinheim e.V., einen Verein, der sich unserer Probleme annahm. Seit dem 1. April 2006 ist unsere Sportart Elektro-Rollstuhl-Hockey beim AC Weinheim eine eigene Abteilung. Dank der neuen Möglichkeiten, die uns der Athletik Club bot, begann unsere erfolgreichste Zeit. Unsere Mannschaft gewann viermal in Folge die Deutsche Meisterschaft, einige hochkarätig besetzte internationale Turniere (u.a. den Champions Cup, vergleichbar mit der Champions League) und brachte sieben Nationalspieler hervor. Aktuell sind wir wieder Tabellenführer und steuern unserem fünften Meistertitel entgegen.
Als Abteilungsleiterin und Spielerin Ihres Vereins kennen Sie den Sport sicherlich besser als so manch Anderer. Geben Sie uns einen kleinen Einblick in die Welt des E-Hockeys, wie funktioniert dieser Sport und wie organisiert sich die E-Hockey-Szene?
Spielberechtigt sind in Deutschland alle Menschen, die aufgrund ihres Handicaps im Alltag auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Im E-Hockey gibt es aber hauptsächlich Spieler mit folgenden Behinderungen: Muskelschwund (Muskelatrophie und Muskeldystrophie), spastische Lähmung (Tetraspastik), Osteogenesis imperfecta (Glasknochenkrankheit), Spina bifida und Querschnittslähmung. Viele Spieler benötigen im Alltag Assistenz, teilweise können sie ihren Rollstuhl nur mit dem Mund steuern. Doch die Sportart Elektro-Rollstuhl-Hockey schließt niemanden aus, jeder kann daran partizipieren. Für den Sport haben viele Spieler spezielle Sportrollstühle, die wendiger und schneller (15 km/h) sind. Unsere Mannschaft besteht aus 11 Spielern und einem Trainer. Die körperlich fitten Spieler haben einen Unihockeyschläger (leichter Schläger, oft aus Plastik oder Carbon) in der Hand. Bei Spielern, die nicht die Kraft haben einen Schläger in der Hand zu halten, wird der Schläger am Rollstuhl befestigt (T-Stick). Gespielt wird 5 gegen 5 (inkl. Torwart) auf einem 28 m langen und 16 m breiten Spielfeld, die Spieldauer beträgt 2 x 15 Minuten. Die Spieler versuchen durch sehr gutes Fahrkönnen und Technik den gelochten Unihockeyball in ein 20 cm hohes und 2,5 m breites Tor zu schießen. Der Ball darf nicht höher als 20 cm gespielt werden und der Torwart muss mit einem T-Stick spielen.
In Deutschland gibt es ein Klassifizierungssystem, welches die Spieler aufgrund der Schwere ihrer Behinderung von 0,5 Punkten (starke Behinderung, wenig Kraft) bis 5,0 Punkten (geringe körperliche Einschränkung) bewertet. Maximal darf eine Mannschaft 11,0 Punkte mit 5 Spielern auf dem Feld haben, sonst wird man disqualifiziert. Dies soll für mehr Chancengleichheit sorgen.
In Deutschland gibt es eine 1. und 2. Bundesliga mit je sieben Mannschaften, die um die Meisterschaft, den Klassenerhalt und den Aufstieg kämpfen. Dazu gibt es noch ein paar Teams, die nur an Turnieren teilnehmen. Leider ist unsere Sportart noch nicht sehr bekannt, deshalb ist es äußerst schwierig Sponsoren zu finden um die teuren Fahrten und Rollstühle zu finanzieren. Dennoch steigt die Begeisterung im E-Hockey ständig, auch in vielen europäischen Ländern (z.B. Niederlande, Italien, Finnland, Schweiz, etc.) wird diese Sportart recht professionell ausgeübt. Selbst in Australien und Kanada wird gespielt, so dass wir guten Mutes sind, dass E-Hockey irgendwann mal paralympisch wird. Im November 2010 findet in Italien die zweite Weltmeisterschaft statt.
Wie und wann sind Sie selbst zum E-Hockey gekommen, gab es hierfür bestimmte auslösende oder prägende Momente, die Sie motivierten mit diesem Sport anzufangen?
Ich bin 1993 zu den Torpedos gekommen. Zu dieser Zeit war ich selbst Schülerin an der Martinsschule und musste einmal in der Woche eine AG belegen. Also hatte ich mich fürs E-Hockey entschieden. Am Anfang hat es mir wenig bedeutet, es war ja eine Unterrichtsstunde in der Schule. Als ich dann aber länger bei den Torpedos mitspielte und wir immer häufiger auf Turniere gefahren sind, wurde es für mich spannender und aufregender. Mittlerweile habe ich mit den Torpedos vier Deutsche Meisterschaften und einige internationale Turniere gewonnen. E-Hockey und natürlich meine Mannschaft sind für mich persönlich nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken.
Welche Vorteile kann aus Ihrer Sicht ein regelmäßiges Training in diesem Bereich für die Sportler auch für Ihren Alltag bringen?
Beim Training oder bei Turnieren, ist es so, dass ich alles um mich herum vergesse. Man denkt nicht mehr an Alltagsprobleme oder den Stress im Büro. Während Fußgänger sich beim Joggen oder Rennen verausgaben, powern wir uns beim E-Hockeyspielen aus und sind daher gleichermaßen erschöpft, wie jeder anderer Sportler auch. Der Sport stellt auch für uns einen wichtigen körperlichen Ausgleich dar.
Ich denke zudem, dass man durch das Hockeyspielen in Alltagssituationen besser mit dem Rollstuhl umgehen kann, da sich durch das Training die motorische Geschicklichkeit verbessert.
Außerdem lernt man jedes Mal neue Leute kennen und wenn man häufig auf Turniere geht, auch die Welt. Gerade dieser Aspekt ist sehr wichtig, denn viele Spieler wohnen in Heimen oder haben nicht die Möglichkeit am normalen Leben teilzunehmen. Für sie ist der Sport die einzige Chance mal rauszukommen und sich selbst zu verwirklichen.
Was war bezüglich Ihres Sports Ihr bislang schönstes/ emotionalstes Erlebnis und warum? Erzählen Sie ein wenig darüber.
Als ich mit dem Sport angefangen habe und nach einiger Zeit auch auf Turniere mit durfte, war es unser Traum, gegen ein sehr gutes Team aus München zu gewinnen. Jahrelang mussten wir bei Turnieren gegen dieses Team hohe Niederlagen einstecken. Schließlich hat sich jedoch das Blatt gewendet, 2002 beim Römer Cup in eigener Halle konnten wir sie im Finale 5:4 in einem sehr emotionalen Spiel schlagen. Der erste Sieg gegen München schmeckte besonders süß, doch mittlerweile sind die Siege gegen sie fast zur Normalität geworden. Momentan besteht die größte Herausforderung für uns, einen Sieg gegen die derzeit weltbesten Mannschaften aus den Niederlanden (Tilburg und Rotterdam) zu erreichen. Zweimal waren dieses Jahr knapp dran, verloren nur mit einem Tor Unterschied.
Welche Tipps würden Sie jemanden mit auf den Weg geben, der mit dem Gedanken spielt mit E-Hockey als Sport bzw. Hobby anzufangen? Gibt es dabei Voraussetzungen die erfüllt sein müssten?
Ich kann nur jedem Elektrorollstuhlfahrer den Tipp geben, sich diesen Sport anzuschauen und ihn einfach mal selbst auszuprobieren. Die einzige Vorraussetzung ist ein Elektrorollstuhl. Diejenigen, die mehr über Hockey erfahren möchten, oder sich über unsere Trainingszeiten informieren wollen, können sich unsere Homepage www.torpedo-hockey.de anschauen. Gerne beantworten wir auch jederzeit weitere Fragen.




















