"Ehemaliger (über 20 Jahre aktiv)"
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"Der Sieg im Marathon bei der WM war eine Befriedigung sowohl für mich als Sportler als auch als eigener Trainer."
Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit, in der Sie mit der Rollstuhlleichtathletik begonnen haben, gab es da bestimmte Momente die Sie besonders prägten und/oder motivierten?
Ich habe 1982 mit Rollstuhlleichtathletik begonnen und da war noch viel Pionierarbeit nötig. Sowohl für die Wurfwettbewerbe als auch für die Fahrwettbewerbe wurde das Material noch zum Teil selber entwickelt. Während heutzutage jeder gutes Material haben kann und es viel mehr auf die körperlichen Voraussetzungen ankommt, war damals das Material noch ein echter Unterscheidungsfaktor.
Das Leistungsniveau war natürlich noch nicht so hoch und die Teilnehmerfelder sehr viel größer. Bei Wettkämpfen wurde noch viel improvisiert, die Bedingungen (Laufbahn, Stadion, Unterkunft) waren oft sehr „rustikal“.
Welche Disziplinen in der Rollstuhlleichtathletik haben Sie betrieben, was waren Ihre Favoriten und warum?
Begonnen habe ich mit den Wurfwettbewerben und den kurzen Fahrwettbewerben sowie dem Fünfkampf und habe mich im Laufe der Jahre immer mehr auf die Langdistanzen und den Marathon konzentriert. Der Marathon hat den großen Vorteil, dass diese Wettkämpfe vor Publikum stattfinden. Während die Stadionleichtathletik unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, kommen die Athleten beim Straßenlauf und speziell den Marathons zum Zuschauer.
Was macht für Sie den besonderen Reiz, das Faszinierende an diesem Sport aus?
Auf den Langstrecken hat man Zeit, eine Strategie zu entwickeln, um mit den Konkurrenten umzugehen. Aber auch mit sich selber ist man viel beschäftigt, man kann an die Grenzen gehen und sie nach und nach immer weiter hinaus schieben.
Was war bezüglich der Rollstuhlleichtathletik Ihr bislang schönstes/ emotionalstes Erlebnis und warum – erzählen Sie ein wenig darüber?
Da gab es viele schöne Erlebnisse.
Die Paralympics 1984 in Stoke waren für mich der erste große internationale Wettkampf mit vielen neuen Eindrücken und Bekanntschaften.
Der Sieg im Marathon bei der WM war eine Befriedigung sowohl für mich als Sportler als auch als eigener Trainer.
Die Paralympics in Barcelona und Sydney waren sowohl von den persönlichen Erfolgen als auch von der Organisation Höhepunkte für mich.
Daneben gibt es aber noch viele kleinere Wettkämpfe mit sehr guten Erinnerungen.
Welche Tipps würden Sie einem Einsteiger geben, der mit Rollstuhlleichtathletik als Hobby bzw. Sport beginnen möchte? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, worauf sollte man achten?
Kann man die Rollstuhl-Leichtathletik noch guten Gewissens empfehlen?
International gehen die Wettkämpfe in eine sehr eigenartige Richtung. Es werden immer mehr Klassen gestrichen, für Tetras ist die Rollstuhl-Leichtathletik praktisch gestorben. Man macht eine WM Ende November in Indien und hat dort Starterfelder, die kleiner sind als bei manchen nationalen Meisterschaften, weil eben Ende November kein passender Termin ist.
Für Ausdauertraining ist Handbiken wesentlich einfacher zu erlernen, man muss nicht experimentieren mit Sitzposition, Handschuhen und Treibtechnik. Dies kann am Anfang sehr viel Frustration erzeugen.
Bei den Wurfbewerben braucht man immer Betreuer, sowohl um den schweren Wurfstuhl zu transportieren als auch, um die Wurfgeräte, also Speer, Kugel, Diskus, wieder zurück zu bringen.
Als ich damals begonnen habe, war das noch weniger aufwendig und einfacher. Die Wurfstühle hatten Rädern, mit denen man fahren konnte, es gab viel mehr Teilnehmer und man musste weniger weit reisen.
Wenn man also mit Rollstuhl-Leichtathletik beginnen will, dann muss man sich im Klaren sein, dass man sehr viele Hindernisse bewältigen muss, um dann letzten Endes bei Wettkämpfen anzutreten, wo nur wenige Teilnehmer am Start sind. Man muss es also wirklich wollen und nicht vielleicht etwas anderes.




















