"Drachenfliegerclub Görauer Anger e.V."
Web: http://www.dga-online.de/
"Fliegen hat nichts mit ''Tollkühnheit'' zu tun."
Erzählen Sie uns ein wenig über Ihren Verein, wie Sie zu diesem gekommen sind und was für Sie die Faszination, den besonderen Reiz am Drachenfliegen ausmacht.
Im Jahr 1975 flogen die ersten, von der Presse als „Vogelmenschen“ bezeichneten Flieger mit ihren Drachen am Görauer Anger. Michel Ackermann aus Zürich und Jürgen Hoffmann aus Berlin hatten während eines Urlaubs den Hang „entdeckt“ und eröffneten hier die Flugschule „Deltaglider Pilotenschule Sirrussu“.
Die damaligen Fluggeräte hatten rund 20 qm Segelfläche in Form eines gleichschenkligen Dreiecks von 7,50 m Seitenlänge, ein Steuergestänge aus Leichtmetall und dünne Spannseile aus Stahl. Diese einfache Konstruktion eröffnete die Möglichkeit, in einem Sitzgurt hängend, vom Berg abzugleiten. Die Technik der Fluggeräte entwickelte sich von nun an sehr schnell. Es gab bald konkrete Vorschriften und die Sicherheit der Piloten rückte in den Vordergrund. So musste ein Drachenfluggelände vom Luftfahrtamt zugelassen und befürwortet werden und als rechtliche Basis war ein eingetragener Verein erforderlich.
Das war die Geburtsstunde des Drachenfliegerklubs Görauer Anger, der im Jahr 1979 von acht Mitgliedern gegründet wurde. Dazu gehörte auch der heute noch aktiv fliegende Lothar Lassock
(68 Jahre), der seit vielen Jahren unser 1. Vorstand im Verein ist. Seine Leidenschaft zum Fliegen ist im Laufe der Jahre kein bisschen geringer geworden. Vielleicht werden inzwischen die Gegebenheiten vor Ort noch genauer analysiert und abgewogen. Vielleicht wird gewartet und dann doch nicht geflogen - der Drachen einfach wieder zusammengepackt. Aber bei einem, der nach dem Flug so viel Freude und Begeisterung versprüht, hat die „Faszination Fliegen“ an NICHTS verloren.
Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren ersten Drachenflug, was ging Ihnen dabei durch den Kopf und wie hat sich Ihre Leidenschaft zu diesem Sport seitdem entwickelt?
Es sind nicht immer die höchsten Thermikflüge oder die weitesten Schrecken die geflogen werden. Jeder Pilot hat da so seine eigene Philosophie. Für mich war der andere „Blickwinkel“ und die Stille - die nur vom Windgeräusch durchbrochen wurde - beeindruckend.
Ich hatte das große Glück von einem Vereinspiloten bei über 20 Flügen im Doppelsitzerdrachen mitgenommen zu werden. Mit viel Geduld und Hingabe wurde mir in der Praxis gezeigt, wie ein Drachen aufgebaut, gecheckt und geflogen wird. Keine Frage war zu viel oder zu dumm. Sätze wie: Start und Landung immer gegen den Wind – oder – Schaust du dem Windsack ins Maul (große Öffnung) – ist was faul!! (Rückenwind bei Landung) werde ich wohl nie mehr vergessen. Ich durfte mich voll den Flügen hingeben, ohne auf Wetter, andere Piloten, Höhenabbau, Landeeinteilung oder Landeplatz achten zu müssen. Es war einfach herrlich - das wollte ich auch alleine können!!
Geben Sie uns einen kleinen Einblick in die Vorbereitung und Planung auf einen Drachenflug. Wie viel Zeit nimmt dies in Anspruch und welche Aspekte fließen dort mit ein?
In der Flugschule lernte ich dann schnell „den Ernst des Fliegens“ kennen. Den Übungshang, ca. 50 Meter hoch, mit Drachen, Gurtzeug, Helm (mit Funkverbindung zum Fluglehrer) und Knöchel hohen Schuhen immer wieder: anlaufen – runtergleiten – landen und hoch zum Start tragen. Da ist Kondition gefragt. Je nach Witterung gibt es zuvor oder danach Gerätekunde, Wetterkunde, Flugvorschriften in der Luft und am Boden. Nach einer anstrengenden Woche (klappt meistens nicht beim ersten Anlauf) und bestandenen Prüfungen in Theorie und Praxis hat man den ersehnten L-Schein in der Hand. Um jedoch allein, ohne Fluglehrer oder Flugauftrag fliegen zu dürfen, bedarf es eines weiteren Lehrgangs - und den Nachweis des
A-Scheins.
Was sind die größten Risiken und Gefahren beim Drachenfliegen? Wie kann man diese im Vorfeld eventuell bereits erkennen und welche körperliche Verfassung muss man mitbringen?
Um Risiken zu vermeiden sollte Zeit bei der Flugvorbereitung zur Nebensache werden. Wo Hektik herrscht schleichen sich unweigerlich Fehler ein. Ebenso sind Sorgen und Probleme schlechte Flugbegleiter. Ein freier Kopf und wacher Geist sind nicht weniger wichtig als gewisse „Regeln“ die man beachten sollte, wie:
1. Vor dem Flug immer Start- und Landeplatz besichtigen. So kann z.B. schon ein Strohballen in der Landefläche zu fatalen Folgen führen.
2. In fremden Fluggebieten den Kontakt zu „einheimischen“ Fliegern suchen um eventuelle Besonderheiten des Geländes zu erfahren.
3. Fluggeräte sind vor jedem Start zu checken. Segellatten, Flügelrohre, Swivel usw. prüfen. Eine „harte“ Landung am Vortag oder falsche Lagerung beim Transport kann Schäden hervor-rufen, die dem Drachen ein völlig anderes Flugverhalten verleihen.
4. Wichtig ist auch die Wettervorhersage für den gesamten Tag. Wechselnder Wind oder nahende Unwetter können zu Turbolenzen in der Luft führen - also Wetter beobachten!
5. Ganz wichtig vor dem Start ist das Prüfen der Aufhängung des Piloten. Ist das Gurtzeug auch wirklich in die Aufhängung des Drachens eingehängt, ist der Karabinerhaken verschlossen und befinden sich die Beinen in den Beinschlaufen?
Generell kann man sagen, dass das Fliegen in der heutigen Zeit relativ gefahrlos ist. Die Fluggeräte, Drachen und Gleitschirme sowie das Zubehör (Gurtzeug mit Rettung, Helm, Vario, GPS usw.) haben einem hohen technischen Standard. Ein pfleglicher Umgang mit diesen ist ebenso Voraussetzung für Sicherheit, wie die regelmäßig vom Fachmann durchzuführenden Geräteprüfungen.
Einen gewissen Respekt vor dem Fliegen sollte man sich bewahren und auch nicht zur Selbstüberschätzung neigen. Fliegen hat nichts mit „Tollkühnheit“ zu tun. Oft zeigt sich, dass ein guter Flieger auch mal unverrichteter Dinge wieder zusammenpackt und nicht widrigen Umständen zum Trotz zeigt was er kann.
Und nicht zuletzt gilt wie beim Autofahren auch: No drink and fly!!




















