Aikido  - Philipp Ottlinger - Kontinuität die wichtigste Eigenschaft, um so manchen Frust über sich selbst zu überwinden.
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Philipp Ottlinger 
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"Kontinuität die wichtigste Eigenschaft, um so manchen Frust über sich selbst zu überwinden."

Wie ist Ihre Leidenschaft für Kampfkünste entstanden und wie sind Sie zum Aikido gekommen?

Wie sooft war es der Kollege Zufall, der mich in Form einer Zeitungsanzeige zum Aikido gelockt hat. Der Verein war damals quasi um die Ecke und bot mir nach einem Umzug die Möglichkeit mich sportlich neben der Schule zu betätigen. Ansonsten empfand ich Kampfkünste als Kind schon spannend, hatte aber kein Interesse an Wettkämpfen und Angst vor etwaigen Verletzungen.
Am Anfang hat mich Aikido nur körperlich angesprochen – große Bewegungen, Freude am Miteinander. Erst später bemerkte ich, dass es neben den körperlichen noch viele andere Dinge gibt, die mich als Mensch verändert haben. Dieser Umstand hat mich irgendwie gefesselt.

Warum gerade Aikido? Was macht für Sie den Reiz und die Faszination dieser Kampfkunst aus?

Prinzipiell war es auch hier Zufall – aber die kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen jung und alt, also das Integriertsein in eine Gruppe im Alter von 12 bis 70 Jahren war spannend. Dazu die Erkenntnis, dass Leute, die eigentlich viel älter als man selbst sind, körperlich deutlich fitter sind.
Dieser körperliche Zugang und die dem Aikido innewohnenden großen kreisförmigen Bewegungen und der Rollentausch zwischen Angreifer und Verteidiger, rechte Körperseite, linke Körperseite sind für mich faszinierender als die in der Schule kennengelernten „traditionellen“ Ball- oder Gruppensportarten. Durch den direkten Kontakt mit einem Partner – im Aikido wird ja nur in Paaren geübt, lernt man sehr intensiv. Neben dem eigentlichen Training habe ich den Umgang mit den Leuten sehr geschätzt. Auf diese Art und Weise hat man quasi generationenübergreifend Erfahrungen und Lebensweisheiten ausgetauscht und voneinander gelernt und profitiert.

Wie kann man sich Ihr Training vorstellen? Was gehört da alles dazu und wie läuft es in der Regel ab?

Zuerst zieht man sich für gewöhnlich um. Wir trainieren in traditioneller japanischer Kleidung, was einen Anzug (jap. Dogi) und einen Hosenrock (jap. Hakama) bedeutet. Anfänger haben ganz normale Sportkleidung an (T-Shirt und lange Hosen). Für das Training werden Matten ausgelegt, die gemeinsam aufgebaut werden. Auf den Matten selbst sind wir barfuß zugange.
Das Training beginnt mit einer kleinen meditativen Phase zur Einstimmung und Beruhigung. Auf diese Art und Weise wird das Training vom Alltag separiert und man kann sich voll und ganz darauf trainieren. Der Körper wird dann durch eine kleine Aufwärmung sowie Fallübungen (jap. Ukemi) und Dehnungs- sowie Kräftigungsbewegungen auf das eigentliche Training der Aikidobewegungen vorbereitet. Diese werden paarweise geübt, nachdem der Aikidolehrer sie vorgeführt hat. Während des Trainings korrigiert der Lehrer die Übungspaare und demonstriert die Bewegungen. Die Aikidostunde wird zum Stundenabschluß wird wieder mit einer kleinen Meditationsphase beendet, bevor die Matten abgebaut werden. Nach dem Training wird meistens noch ein wenig gequatscht oder man sitzt im Sommer noch auf ein Eis zusammen und lässt den Abend ausklingen.

Was waren bislang Ihre ganz persönlichen „Aikido-Highlights“, welche tollen Momente und Erlebnisse hat Ihnen diese Kampfkunst schon beschert?

Für mich sind die beteiligten Leute am Aikido das Wesentliche – dadurch sieht man das Aikido mit vielen Gesichtern, da jeder Mensch Aikido anders übt und durch seine körperlichen Grenzen jeweils anders ist: dick, dünn, steif, gelenkig, eckige Bewegungen, runde Bewegungen, hart, locker, vergeistigt.
Ein besonderes Highlight ist neben dem direkten Training unter der Anweisung des Begründers unseres Aikidostils Tendoryu (Meister Shimizu Kenji aus Tokio, Japan, geb. 1940) der im letzten Jahr erstmals in Japan organisierte internationale Aikidolehrgang. Dabei haben sich ca. 100 Aikidoschüler aller Kontinente getroffen und miteinander trainiert. Trotz der verschiedenen Sprachen und Kulturen haben sich die Beteiligten intensiv ausgetauscht und im Training gemeinsam geschwitzt und gearbeitet.

Welche persönlichen Ziele wollen Sie mit dem Aikido noch erreichen?


Für mich persönlich ist es wichtig die Freude an der Bewegung zu erleben, insbesondere als Ausgleich zum täglichen Stress von Alltag und Beruf. Ansonsten möchte ich durch Aikido gesund bleiben und hoffe, dass meine kleine Aikidoschule noch wächst und es vielen Leuten ermöglicht miteinander zu üben.

Welche Tipps und Hinweise können Sie abschließend all denen geben, die mit dem Gedanken spielen mit Aikido anzufangen. Über welchen Weg und mit welcher Einstellung findet man am besten in diese Kampfkunst hinein?

Das wichtigste erscheint mir, dass man kleine Schritte machen können muss. Vielfach sind die Menschen enttäuscht, weil sie nicht zugeben wollen oder können, dass es ein langer Weg ist im Aikido Fortschritte zu machen. Der Weg des Aikido ist ein langer und manchmal steiniger – aber wie bei einem großen Berg lohnt sich die Mühe des Aufstiegs, um das Panorama zu genießen. In der aktuellen Zeit, wo man Dinge so schnell wie möglich begreifen und verinnerlichen will, bietet Aikido einen angenehmen Kontrast. Wichtig ist hier beständiges Üben und Mut auch mit fortgeschritteneren Aikidoka (jap. Schüler des Aikido) zu üben. Um durchzuhalten gilt es eine nette Trainingsatmosphäre zu finden, bei der man sich wohlfühlt. Dazu kann man bei den meisten Aikidoschulen an kostenfreien Probetrainingsterminen teilnehmen. Jeder Mensch ist anders und es sollte eine Aikidogruppe oder einen Aikidostil geben, der zu ihm passt. Ansonsten ist Kontinuität die wichtigste Eigenschaft, um so manchen Frust über sich selbst zu überwinden. Es ist wie beim Aikido selbst auch: Angreifen, geworfen werden, aufstehen, angreifen um dann auch selbst angegriffen zu werden, zu werfen und wieder anzugreifen. Das ist der endlose Kreis des Aikido!

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