"Pferd und Reiter, die den Distanzsport betreiben, müssen Kämpfernaturen sein."
Erzählen Sie uns ein wenig über das Distanzreiten. Worum geht es dabei und was macht für Sie den Reiz und die Faszination dieses Sports aus?
Distanzreiten ist sozusagen ein Marathon zu Pferd. Es ist vom Prinzip her wie ein Rennen, nur über eine sehr weite Strecke (bis zu 160 km an einem Tag), d.h. wer als erstes im Ziel ist hat gewonnen. Allerdings sind vor, während und nach dem Ritt gründliche Tierarztuntersuchungen, die einer Überforderung des Pferdes vorbeugen sollen. Wer die Strecke hinter sich gebracht hat, aber im Ziel nicht das OK vom Tierarzt bekommt, ist leider aus der Wertung.
Besonders faszinierend ist es die vielen Ecken Deutschlands (und auch das Ausland) zu Pferd zu erkunden und wirklich wunderschöne Landschaften kennenzulernen. Mit jedem weiteren Ritt lernt man außerdem sich und sein Pferd noch näher kennen, man lernt die Fähigkeiten einzuschätzen und erhält ein ungeheuer großes Wissen über Training, Gesundheit, Ausrüstung, Beschlag usw.
Welche körperlichen und mentalen Anforderungen stellt das Distanzreiten – zum einen an den Reiter, zum anderen an das Pferd?
Pferd und Reiter, die den Distanzsport betreiben, müssen Kämpfernaturen sein. Körperlich und geistig wird man an seine Grenzen gebracht. Das Interessante ist natürlich seine Grenze immer weiter nach oben zu verschieben und immer längere Strecken anzustreben, aber es kann natürlich sein, dass ab einem gewissen Punkt entweder beim Reiter, beim Pferd oder bei beiden nach oben hin Schluss ist. Nicht jedes Pferd ist dazu geboren 160 km an einem Tag in relativ hoher Geschwindigkeit zu laufen und auch nicht jeder Reiter ist in der Lage dazu.
Man muss allerdings nicht nur das Reiten selbst betrachten, sondern auch das Drumherum. Ein Distanzwochenende fängt meistens Freitag an und hört Sonntag auf. Pferd und Reiter müssen reiselustig sein, gerne unterwegs sein und sich schnell an neue Umgebungen anpassen und gewöhnen. Ein Pferd, das unruhig in fremder Umgebung ist, muss erst mal mental auf seine Aufgabe als Distanzpferd vorbereitet werden, bevor es auf die Strecke gehen kann.
Pferde sind sowohl geschichtlich als auch vom Wesen her ganz besondere Tiere. Können Sie uns einen kleinen Einblick geben, als was für Tiere Sie Pferde erleben?
Pferde sind sehr kluge und schöne Tiere. Für mich ist mein Pferd ein Partner und Freund fürs Leben, mit dem ich sehr gerne reitend die Landschaft erlebe, aber es auch einfach nur den ganzen Tag ansehen kann, wenn es auf der Koppel steht und einfach nur „Pferd“ ist.
Was sollte man generell im Umgang mit Pferden beachten und welche Tipps und Hinweise haben Sie hinsichtlich des harmonischen Miteinanders von Pferd und Reiter?
Ein Pferd ist ein Fluchttier und so wird es sich auch immer verhalten. Was ich besonders interessant finde ist jedoch die therapeutische Wirkung, die Pferde ausstrahlen. Vielen Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung tut man Gutes, wenn man sie mit Pferden umgehen lässt.
Den harmonischsten Umgang mit seinem Pferd wird man vermutlich erleben, wenn man es nicht vermenschlicht, sondern wie ein Pferd behandelt.
Was waren für Sie bislang besonders tolle Erlebnisse und Momente, die Ihnen das Distanzreiten beschert hat?
An sich ist jeder Ritt auf seine Art ein besonders tolles Erlebnis, aber am meisten habe ich mich gefreut, als mein Pferd und ich unsere ersten 1000 km zusammen hatte.
Welche Tipps und Hinweise können Sie abschließend bereits fortgeschrittenen Reitern geben, die mit dem Distanzreiten beginnen möchten? Was muss man dabei im Unterschied zu anderen Pferdesportarten beachten und wie findet man am besten in diesen Sport hinein?
An Distanzritten kann im Gegensatz zu anderen Pferdesportarten jeder teilnehmen, egal wie alt er ist, egal welches Pferd er hat und unabhängig von einem Reitabzeichen o.ä. Das Motto der Distanzreiter lautet „Alle Reiter, alle Pferde“. Am besten ist es, sich zu Anfang einen Ritt als Zuschauer anzusehen und die Abläufe kennenzulernen. Man kann sich auch erfahrenen Reitern als Groom anbieten und dabei schon sehr viel lernen. Zum Hereinschnuppern eignen sich die vielen ausgeschriebenen Einführungsritte (und –Fahrten), die zwischen 25 und 40 km lang sind und so eine optimale Länge bieten, die ein regelmäßig gerittenes Freizeitpferd ohne gezieltes Training absolvieren kann. Nach seinem ersten Ritt ist man meistens sofort vom „Distanzvirus“ befallen und möchte gerne weitermachen. Es gibt eine kleine Auswahl an Literatur zum Thema Distanzreiten und es werden zahlreiche Lehrgänge angeboten, bei denen man sein Wissen zum Thema Training und Vorbereitung auf den nächsten Ritt erweitern kann.




















