"Im Turnen fand ich ein Ventil für meinen Bewegungsdrang."
Herr Nguyen, wie haben Sie mit dem Kunstturnen angefangen und was hat Sie dabei motiviert so gut zu werden?
Schon während des Mutter-Kind-Turnens waren die Übungsleiter von meiner Beweglichkeit überrascht gewesen und hatten meiner Mutter prophezeit, dass aus mir ein Turner werden würde. Mit sieben Jahren habe ich dann mit richtigem Kunstturnen angefangen, zunächst in meinem Heimatverein, dem TSV Unterhaching, später dann im Landesleistungszentrum in München. Schon als Kind war ich gerne sportlich aktiv und war froh, im Turnen endlich ein Ventil für meinen Bewegungsdrang gefunden zu haben. Und je besser ich wurde, desto mehr Spaß hat es gemacht.
Was macht für Sie den Reiz und die Faszination am Kunstturnen aus, auch an den verschiedenen Disziplinen/Geräten?
Die Bewegungsläufe im Turnen sind unglaublich vielseitig, das ist nicht wie z.B. bei Leichtathleten, die sich oft auf eine einzige Bewegung konzentrieren. Es gibt immer neue Herausforderungen, neue Teile und Kombinationen, die man lernen kann. Meine Liebingsgeräte sind Boden, Barren und Reck, weil ich hier aufgrund meines Körperbaus sehr gut zurechtkomme.
Wie kann man sich das Training eines Kunstturners vorstellen, was gehört da alles mit dazu, wie läuft so ein Trainingstag in der Regel ab?
In der normalen Phase haben wir zwei Trainingseinheiten, eine am Vormittag und eine am Nachmittag/Abend. Morgens werden Kraft und Beweglichkeit trainiert, später dann neue Teile eingeübt oder bereits bestehenden Übungen perfektioniert.
Was waren bezüglich des Sports besonders schöne Momente und Erlebnisse für Sie und warum?
Zu meinen Highlights zählen die WM 2007 in Stuttgart und die Olympischen Spiele im letzten Jahr in Peking, außerdem noch die Champions Trophy in Frankfurt. Bei der WM im eigenen Land Bronze zu holen und das auch noch relativ überraschend – das war einfach ein irres Gefühl. Auf der Medal's Plaza in der Stuttgarter Innenstadt sind wir wie die Fußballer gefeiert worden. Peking waren meinen ersten Olympischen Spiele und die Atmosphäre im olympischen Dorf war überwältigend. Ich habe in diesen Wochen so viele interessante Leute getroffen – trotz der Wettkämpfe und der damit verbundenen Anspannung war die Zeit wie ein großes Fest, wo immer etwas los war. Bei der Champions Trophy im Juni in Frankfurt konnte ich dann mal zeigen, dass inzwischen aus mir ein solider Mehrkämpfer geworden ist und es hat mich gefreut, dass ich meine Leistung so auf den Punkt bringen konnte.
Wenn man als junger Mensch ernsthaft mit dem Kunstturnen anfangen möchte, wie und wann steigt man da am besten ein, welche Voraussetzungen sind von Vorteil und worauf sollte man achten?
Wie bei den meisten Sportarten ist es wichtig, so früh wie möglich anzufangen. Man sollte beweglich sein und ein gutes Körpergefühl mitbringen. In den meisten Vereinen gibt es Kinderturnstunden, die sind auf alle Fälle ein guter Einstieg und können einem zeigen, ob Turnen überhaupt in Frage kommt.
Kunstturnen ist unglaublich trainingsintensiv und das harte Training zahlt sich oft erst nach Jahren aus. Wenn man sich dafür nicht richtig begeistern kann, verliert man schnell die Lust. Aber wer dabeibleibt, für den zahlen sich die Anstrengungen auf jeden Fall aus.




















